„Der Unterschied zwischen aktivem und passivem Monitoring und warum man eigentlich beides braucht“

Metin Özdiyar-Steffen  16.03.2017

Im heutigen Beitrag befasse ich mich mit dem Unterschied zwischen aktivem und passivem Monitoring (Überwachung) und erkläre, wie beide gemeinsam das IT-Service-Management auf die nächste Stufe heben.

Von unseren Kunden werden wir immer wieder auf die verschiedenen Methoden angesprochen, die es für Monitoring gibt. Grundsätzlich muss man dabei zwischen passivem und aktivem Monitoring unterscheiden. Gute Beschreibungen dieser beiden Methoden finden Sie bei Wikipedia:

Im Folgenden gehe ich zunächst auf das Für und Wider der beiden Methoden ein. Am Ende folgt ein Resümee.

Aktives Monitoring

Beim aktiven Monitoring, auch als aktive Tests bezeichnet, simulieren Softwareroboter das Verhalten des Endanwenders. Lösungen für aktives Monitoring sind einfacher zu implementieren als diejenigen für passives Monitoring - man findet allerdings nicht viele Unternehmen, die diesen Service anbieten. Als Infrastruktur werden nur wenige Systeme (Probes oder Messroboter) benötigt. Diese bedienen eine Anwendung genau so, wie es ein echter Endanwender tun würde. Die Benutzerabläufe werden in Form von Skripten implementiert, d. h. in regelmäßigen Intervallen werden bestimmte Benutzeraktionen durch Skripte gesteuert ausgeführt, zum Beispiel für den Besuch einer Webseite im Onlinebanking. Die Skripte müssen entwickelt und gepflegt werden. Zusätzlich wird ein zentrales Sammel- und Auswertungssystem benötigt. Änderungen an bestehenden Systemen und Anwendungen sind jedoch nicht nötig.

Das aktive Monitoring hat einige echte Vorteile, vor allem die kontrollierte Umgebung, die konsistente Ergebnisse liefert. Hier werden die gleichen Benutzeraktivitäten in der gleichen Art und Weise regelmäßig ausgeführt. Aktives Monitoring liefert (Referenz-) Werte und eine Fülle von Zeitinformationen, die man mit passivem Monitoring nicht erhalten würde.

Was mich persönlich am aktiven Monitoring immer „gestört“ hat, ist die Tatsache, dass es nur die Leistung spezifischer Anwendungen/Seiten an bestimmten Standorten überwacht und anzeigt. Um eine bessere Abdeckung zu erhalten, müssen an mehreren Standorten Tests durchgeführt werden, die ihrerseits die Menge an zusätzlichem („künstlichem“) Datenverkehr und die Systemlast erhöhen. Selbst wenn man die Überwachung geografisch und funktional stark erweitert, erreicht man immer noch nicht eine vollständig realistische Abdeckung dessen, was die Endbenutzer sehen. Die Alternative bzw. eine sinnvolle Ergänzung kann daher das passive Monitoring sein.

Passives Monitoring

Beim passiven Monitoring erfolgt die Messung direkt beim Endanwender auf dessen System. Dazu muss eine zusätzliche Software installiert und konfiguriert werden – und das auf vielen Systemen im Backend-(Server) und auch im Frontend (PC/Client)-Bereich. Erst dann können Monitoringdaten gesammelt und analysiert werden. Im Gegensatz zum aktiven Monitoring werden weder zusätzlicher (künstlicher) Datenverkehr noch Systemlast erzeugt. Man erhält vollständige Informationen darüber, was die realen Benutzer in den Anwendungen bzw. auf Webseiten sehen und was die wirklichen Antwortzeiten sind.

 

Ein Nachteil der passiven Überwachung ist, dass man nur messen kann, wenn die Endan-wender tatsächlich arbeiten. An Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht werden die Verfügbarkeit und Performance der Anwendungen daher nicht überwacht. Erst der erste Endanwender, der die Anwendung nach einer solchen „Ruhephase“ nutzt, merkt, wenn etwas nicht stimmt.

Können wir es besser machen?

Mehrere Kunden haben nach einem einzigen Überwachungstool gefragt, mit dem sich wiederkehrende, automatisierte Tests für die Leistungsfähigkeit sowie Verfügbarkeit von Anwendungen durchführen lassen. Ich bin nicht davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist. Stattdessen bevorzuge ich eine gesunde Mischung aus passivem und aktivem Monitoring. Auf diese Weise erhält man eine 360? Sicht und verringert zugleich die Systemlast. Man erreicht dies, indem aktive Tests auf der Grundlage von Informationen aus der passiven Überwachung (wie z. B. die Top-Seiten eines Tages oder Seiten, die langsamer oder schneller arbeiten als normal) angepasst und optimiert werden.

Der große Nutzen für ein Unternehmen

Tatsächlich wird durch die Kombination der beiden Methoden der größte Nutzen erreicht, nämlich eine 360? Sicht auf alle beteiligten Komponenten: Das passive Monitoring liefert die Sicht der Anwender, das aktive Monitoring die (Referenz-) Werte rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, auch wenn die Endanwender die Anwendungen nicht nutzen. Veränderungen der Leistungsfähigkeit der Anwendungen werden sofort sichtbar.

Diskussion – Wie handhaben Sie es?

Ich würde gerne von Ihnen, den Lesern dieses Blogs, hören, wie Sie Ihre Anwendungen/Websites überwachen und welcher Erfahrungen Sie gewonnen haben. Ich freue mich über eine lebhafte Diskussion und einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch!

Ihr Metin Özdiyar-Steffen

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